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weirdfoxes:
“ Flåm, Norway
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firnandfiire:
“ F A L T | Firn & Fire
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socialist-future:
“mariana echaniz
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Die Unfreiheit

Das Individuum im kapitalistischen System ist vom Kindesalter an seiner von der Natur gegebenen Autonomie enthoben. Von Geburt an ist das Leben vorbestimmt. Es wird bestimmt, in welcher Kleidung man sich wohl fühlt, welche Spielzeuge favorisiert werden und welche Märchen das Interesse wecken. Auch wenn die Eltern sich einbilden, dem Kind alle Freiheit zu geben, darüber selbst zu bestimmen, sind sie doch selbst von Grund auf in ihren Urteilen durch ihre eigene Erziehung vorbestimmt. Das Kind strebt nach Anerkennung und Liebe durch die Eltern und versucht stets, die unterbewusst vermittelten Vorstellungen der Eltern zu erfüllen. Deutlicher wird der Zwang in der Interaktion mit gleichaltrigen in Kindergarten und Schule. Man vergleicht sich und erlangt so weitere Vorstellungen von der gesellschaftlichen Norm, an die man sich aus Drang nach sozialer Einbettung anpasst. Schon früh bekommt man vermittelt, was Besitz bedeutet, und dass es etwas von Grund auf natürliches ist. Man beginnt, seine Freunde auch über die Gegenstände zu definieren, die er besitzt, nicht alleine über den Charakter. Selbst trachtet man nach Besitz, in dem unbewussten wissen, so Signale zu setzen um seine Wirkung auf andere zu steuern. Neid und Habgier entwickelt sich. Als Gegengewicht dazu werden Werte wie Großzügigkeit und Nächstenliebe vermittelt, aber als Vorgaben von Autoritäten; als Gesetze, die einzuhalten sind. Hier stellt sich die Frage, wie das besitzlose Kind aufwachsen würde. Würde kollektiver Besitz das Kind von diesem Spannungsfeld entheben? Im Laufe der Schulzeit mit wachsender Unsicherheit durch das Aufkommen der Pubertät erreicht das normgerechte Handeln seinen Klimax. Man trägt die gleichen Schuhe, spielt die gleichen Videospiele und hat die gleichen Wünsche nach gewissen Besitzgegenständen. Haben die Eltern nicht das Geld für das Neueste vom Neuen macht der Jugendliche erste Erfahrungen von Ausgrenzung. Nichts wird sich sehnlicher gewünscht, als wieder zur Masse dazu zu gehören, auch wenn diese Erfahrung mitunter, wenn auch schmerzlich, dem Kind eine Art Autonomie verschafft, ein Aufkeimen kritischer Distanz von gesellschaftlich tradierten Normen. Doch noch bestimmt der tiefe Wunsch nach Reetablierung im sozialen Kreis das Denken des Individuums. Der Fokus auf Besitzgegenstände steigt ins unermessliche, der wahre Charakter der Mitmenschen spielt keine Rolle. Es ist der Akt der Assimilation mit dem kapitalistischen System. Es wird begriffen, was in der weiteren Entwicklung zu tun ist, um den Zugang zu Kapital zu erhalten. Das eigene Selbst muss rationalisiert und funktionalisiert werden, Bildung wird zum Mittel zum Zweck. Der Mensch verliert weitere Teile seiner naturgegebenen Fähigkeit zum autonomen Denken und zur selbstständigen, kritischen Auseinandersetzung mit dem Gegenstand aus Selbstzweck heraus. Stattdessen werden etablierte Denkmuster übernommen und das Kapital erhält vollen Zugang zur Indoktrination des Individuums im Zwecke der Systemerhaltung. Das kapitalistische System wird alternativlos, der Mensch angepasst und individualistisch. Das rationale, eigennützige Denken im Sinne der Modellannahmen des neoklassischen, neoliberalen Wirtschaftssystem erscheint unumgänglich. Indoktriniert wird dem Menschen, dass diese Denkweise grundlegend freiheitlich und demokratisch sei und Ideen, die dies in Frage stellen, grundlegend gegen die Freiheit des Individuums gerichtet. Das ist die Dialektik des Kapitals. Das System bestimmt das Individuum vollends, Menschen werden zu Maschinen, eingespannt im Sinne von immer weiterem Wachstum. Ohne, dass der Mensch sich der Heteronomie bewusst ist. Genau das ist die Stärke des Neoliberalismus. Der Mensch gibt sich freiwillig auf, in dem Glauben, autonom zu handeln. Der Unterdrücker ist kein Mensch, sondern das unaufhaltbare System. Der Mensch wird vom System instrumentalisiert, nicht das System vom Menschen.

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